20110416

Heiße Zelle (The Old Way Out)

Neuglobsow, 13. September 2009, 5:06 CET(Central European Time)

The Old Way Out is now the new way in.

Der See strahlte. Er schien aus tiefer Dunkelheit die Stille zu verstrahlen, nach der ich mich so vergeblich sehnte. Brachtest du mich darum in diesen Landstrich, mein Mann? Damit ich endlich jene Gelassenheit finde, um derentwillen ich mich an dich schmiegte und in dein Leben fügte? Doch schon Fontane schrieb, dass diese Tiefe sich von altersher den Hang nach Menschenopfern bewahrt hat. Und so höre ich, wann immer ich ans Ufer trete, im leichten Schlag der Wellen das „Komm, komm, komm“ der Schwester, die ich ertränkte.

Wieder einmal hatte ich mich davon geschlichen, aus dem Bett und dem Haus, in die Morgendämmerung, an den See, weg von deiner Nähe, die mich umfängt und fesselt. Was treibt mich wohin? Zum See hinunter ging ich noch gemessenen Schritts, doch meine Gedanken stürzten sich schon fort ins Wasser, trieben wie Ertrinkende unter den Algen: Dort unten lebt sie fort, die Andere, die sich hergibt, die sich in Berlin von dem dunklen Ritter überwältigen ließ, die sich fürchtete vor der gewaltsamen Öffnung ihres Körpers und sich doch immer wieder in seine Nähe drängte, ihm die Türe öffnete, den Schlüssel übergab, sich überfallen und auf das ungemachte Bett werfen ließ von dem. Tom Tom. Du ahnst es vielleicht, beschweigst, beschwörst die Stille, den See, das beschauliche Leben und begreifst nicht, dass es von daher kommt: das Sehnen, das Aufbegehren, die Hitze. Denn still liegt da der See, so grün, so blau, so besonnt. Doch unter der Oberfläche rumort es.

Please be kind
Please be kind

Ich rannte die lange Schleife vorbei am Institut für Limnologie. Keine Menschenseele so früh unterwegs, nur ein paar aufgeschreckte Vögel erhoben sich über dem Wasser. Das Tempo drosseln, sagte ich mir, doch konnte ich mich nicht bremsen, ich musste dies sündige Sehnen, herauslaufen, keuchend am Ende des Laufes zusammensinken, um jenes andere Keuchen vergessen zu machen, an Tomasz Ohr, die Nägel tief in seinen Rücken gebohrt, die Erschöpfung, die keinen Frieden brachte, der Wille nach mehr, mehr, mehr...

Still lag der See und still das Kernkraftwerk, außer Betrieb seit 1990, im Rückbau seit 1995. Es soll  wieder grün werden hier, überwuchert die Flächen von märkischem Sand, Efeu und Birke, doch noch stehen die Hallen, die Sperrzäune. Hier findet der weltweit erste Versuch statt, ein Atomkraftwerk vollständig wieder vom Boden der Erde zu tilgen. In Wahrheit geht es nur um Verschiebung. In jenem Sommer, in dem wir an den See zogen, wurde der Reaktordruckbehälter von hier nach Lubmin verbracht. Es gibt keine „Endlager“, keine Sicherheit, keine Entsorgung, nichts verschwindet ohne Spuren. Die Ruhe ist trügerisch und der See weiß es. Und die im See. Und ich. Es bleibt die heiße Zelle, in der die strahlendem Substanzen reagieren. Auch die, so behauptet man, werde nun abgebaut, doch ahne ich: sie strahlt weiter. Der ruhiggestellte See wird anzeigen, wenn sie anderswo rumort. Wie ich. Wie ich anderswo unseren Frieden verrate. Wie ich dich betrüge anderswo, mit dem, der die Ruhe verachtet. Der See, schrieb der Alte, ist launisch. Doch so stimmt es nicht: Der See birgt die Wahrheit und die ist nicht schön und still und gut.

Ich rannte. Mir die Seele aus dem Leib. Wandte den Blick vom See, in dessen Antlitz sich immerzu das Gesicht des dunklen Ritters spiegelte, den ich doch laufend zu vergessen versuchte. Ich werde ein Unglück ertrotzen, der Rückbau ist missglückt.

Über dem Hausfirst ging die Sonne auf, als ich den See umrundet hatte. Die Beine fühlten sich schwer an. Der Atem ging stoßweise. Es schäumt und wogt und greift an, kreischt und kräht. Kein Hahn. In mir. Melusine. Trommle ich hinaus. Übermorgen. Dein Lied: TRAIN SPACE.

Ich schloss auf und schlich mich ins Bad, um zu duschen.

Lord above you filled the sea, watch it roll.
At your last port of call
You weren´t saved.

20110313

SESSION (I´d dive for your memory)

Berlin, 16. September 2009, 21.12 Uhr (CET, Central European Time)


If the cliff were any closer
If the water wasn´t so bad
I´d dive for your memory
On the rocks and sands

Tomasz drehte den Regler auf: comecomecomecomecomecome. Annies und Karims Stimmen, die sich antrieben, eins wurden, sind: sie kommen, sie fahren in einem Zug, WIR. Karim in TRAIN SPACE gelangt hinein in Annie, verschmilzt mit ihr, so wie er, wie Tomasz es ersehnt, begehrt, wenn er sie in vergewaltigender Umarmung gegen die Wand drängt, in sie stößt, wenn er sie keuchend auf der Liege begattet, so gierig, so gewalttätig, so hilflos, weil er nie ankommt, sie nie erreicht, weil sie, egal wie tief sich ihre Nägel in seinen Rücken graben, wie laut sie schreit, doch immer die bleibt, die er nicht findet, nicht kennt, nicht versteht, weil sie, wenn sie ihm verwundet in die Augen aufschaut, ihm so fremd ist, dass er sie schlagen möchte: Annie, Annie, Annie – wer bist du? Sie hebt die Hand, sie will seine Wange streicheln, sie sieht seinen Blick, sie senkt die Lider, sie verbirgt sich hinter den Wimpernschlägen. Annie. Fuck you.

Karim hatte in der Tür des Hinterhofstudios gelehnt, erschöpft, sich eine Zigarette angezündet, den Kopf zurückgelehnt und Annie zugeschaut, die ihren Rucksack aufsetzte. Verschwitzt waren sie gewesen, die T-Shirts an den Rücken nass, die Haare verstrubbelt, als hätten sie miteinander getrieben, was Annie und er, Tomasz, letzte Nacht tatsächlich getan hatten. Ahnte Karim es? Tomasz war sich nicht sicher. Doch, dachte er, er kennt mich gut genug, er weiß es. Als Annie gegangen war, hob Karim den Kopf: „Great. She´s unbelievable. Greatest session I´ve ever had.“ Tomasz nickte. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte dem Freund die Faust ins Gesicht geschlagen. TRAIN SPACE. Karim hatte Recht. So etwas hatten sie noch nie eingespielt. Was zwischen Karim und Annie geschehen war, das Treiben, das Finden, die Lust, die Fahrt, die Trommelwirbel, die Bässe, das Anrufen und Widerrufen, die Echos und schließlich die Verschmelzung der Stimmen, das Ausklingen des Räderwerks, die endliche Beglückung – der Song hatte alles in sich aufgenommen, in diese Aufnahme gesogen, die genial war, das wusste Tomasz. Es war sein Song, ein guter Song, melodiös und schräg zugleich, verspielt am Anfang, dann hektisch, Rhythmen variierend, Beschleunigung, Refrain, Ausklang. Aber so wie Karim und Annie ihn  gespielt hatten, konnte er nie wieder gespielt werden. Das war unwiederholbar. Er hatte es aufs Band fixiert, dieser Moment war verewigt, bleibend gemacht durch seine, Tomasz, Technik. Er hatte die Frau, die er liebte, um eines Liedes willen an einen anderen vergeben. An Karim, der den Vogel singen hörte. „There was the kookaburra and you heard him sing my songs.“

I´d dive for you
Like a bird I´d descend
Deep down I´m lonely
And I miss my friend

Karim wusste sofort, wovon er sprach. Jener Sommer im Outback lag zwanzig Jahre zurück. Karim hatte den Vogel lachen hören und Tomasz´ Stein hatte ihn vom Ast geschleudert. „You killed it...“ Karim drückte seine Zigarette aus und packte ein. „It´s her. It´s Annie. You´re gonna hurt her, too, Tomasz.“ Tomasz antwortete nicht. Was sah er in Annie? Das Unberührbare, das er immer schon hatte besitzen wollen. Aber sie ließ sich nicht nehmen, egal, wie sehr er sie sich unterwarf. Sie wollte aufgenommen sein. Und Karim hatte es getan. Karim verwirklichte, was er, Tomasz, erfand: Das war der Pakt. Comecomecomecomcomecomecome. Annie war hineingeraten in dieses Spiel: Himmel und Hölle. Engel und Teufel.  Fuck you, Annie.

Now, I dive black waters
The waters of her dream
Are black and forgetful
I´d like to make them clean

20110224

BECKENSCHLÄGE (A town without trains has brought you home again)

Indian Ocean, 18. September 2009, 00:35 (IST Indian Standard Time)

A town without trains
He runs to meet you

Du schlägst das Becken, Schwester. CRASH. Du schlägst, die Stäbe wirbeln, hinauf, hierüber, Hi Hat, Tom tom, TRAIN SPACE, comecomecomecomcomecome. Der singt mit dir, der schnellt sich ein, dir zu. Vereint: die Sehnsucht ohne Grenze zu sein. Du warfst dich dem dunkeln Ritter Tom zu Füßen. Doch ist es am Ende Karim. Der Knabe, der den Vogel entdeckte, damals im Outback. Du weißt von nichts. Ich sah die Jungen dort draußen: Tomasz und Karim. Einer schoss, ehe ich fiel, - und einer nicht. Vergessen wie ich dort hinkam. Fast wäre ich ausgetrocknet zu jener Zeit, denn du lebtest fern der Seen. Be my nightmare. Während ich mich wälzte vor denen, knöpftest du dich zu und wandeltest dich dem Sohnesvater an...

And I've grown to accept
that people know the next steps

TRAIN SPACE. Wir wuchsen auf unter den Zügen, die ans Meer zogen. Wir lagen und fühlten das Rauschen, das Rollen, den ungeheuerlichen Lärm, die Geschwindigkeit, das Beben, wir tauchten in die Tiefen. Keiner war dort unten gewesen, nur das verschwimmende Bild, das wir wogend erschufen in der Dunkelheit. Der Herr der Hölle: Tom Hell, dachten wir. Unser Alptraum. Der Traum-Mann. Ein fürchterlicher Irrtum, Armgard. Du Schwester, stießest mich in die Tiefe, als es gefährlich wurde. Doch so entkamst du ihm nicht...

Upstream and our stars
under one sky

Immer dachte ich meine Wunden wären der Preis. Be my nightmare. Es schien, als sei er gekommen. Das Kind im Mann, dem wir verfielen. Doch du schlugst und sangst und schlugst und sankst. Das Gold-Auge des sanften Narren, das Beben im Becken, die Schläge, die Stäbe, das Singen, deins, seins, meins, eins. Karim, also. Doch er, nicht der Höllen-Mann. Seine Hände berührten dich nie. CRASH. Sein Riff: Comecomecomecomecomecome. Der ist kein Spieler. Er spielt uns ein Leben: Du kommst ihm entgegen, er dir, ihr seid, die fahren, die rasen ins Meer, da ist das Delta, verströmen wir uns.

A town without trains
has brought you home again

Tom tom. Er wird sich rächen, der düstere Prinz. Ahnst du es schon? Ich reiche ihnen die Messer und löse meine Strümpfe. Die bloßen Fußsohlen strecke ich ihnen entgegen. Mein Opfer, um dich zu retten. Singapore. Kein Ring für Melusine. comecomecomecomecomecome.

Tauchgang. Blutspur im Meer.

Armgard. Meine.....

Schwester!

20110202

ES KRÄHT KEIN HAHN (Quiet heart)

Neuglobsow am Stechlinsee, 25. September 2009, 17.32 CET (Central European Time)

Some place I don´t know
Doesn´t matter how far you come
You´ve always to go further

Habe ich an deiner Brust vor Sonnenaufgang nicht noch gestern gefleht: „Bleib“?“ Dabei warf ich dich eine Stunde später aus der Weinertstraße raus. Jetzt drücke ich mein Kreuz gegen den Türstock und atme lang aus. Doppelt so lang ausatmen wie einatmen, heißt es, um ruhig zu werden. Auf keinen Fall hyperventillieren, sage ich mir. Ich bin nicht gerannt, ganz vorsichtig habe ich einen Fuß vor den anderen gesetzt. Eine Frau, die sich im Griff hat, so bin ich gegangen vom Ortseingang her, wo Karims Blut auf den Gehweg gespritzt ist, zurück zum Haus am See.

Ich kam vom Fontane-Haus her, als ich die Sirenen heulen hörte. Hier passiert kaum was, da schaut man schon mal nach. Ulla rief: „Es ist einer gegen einen Baum geknallt.“ Hier sind immer die Alleen-Bäume schuld, wenn ein Unglück geschieht. Das Blaulicht des Rettungswagens blinkte schon still, als ich dich in deiner Lederkluft neben dem verdrehten Körper stehen sah. Zu retten war da nichts mehr. Diese Schulterpartie erkannte ich zweifelsfrei, noch bevor du dich umdrehtest: Der dunkle Ritter am See. Unter dem Helm zu deinen Füßen lugten die schwarzen Locken hervor. Karim. TRAIN SPACE. comecomecomecomecome. Du brachtest ihn her. Weil ich mit ihm sang? Was wolltest du am See? Bei mir? Mit Karim? Mit Karim. Als du mich sahst, ließt du dich auf die Knie sinken und umklammertest meine Beine. Starr hielt ich mich gerade. Und Ulla, die sich alles erklärte: „Der Junge hat einen Schock.“ Meine Hand in deinem Harr. (Tausendmal zersaust. Meine Lippen auf deinem Scheitel).

Ich drückte die Knie durch. „Sind Sie in Ordnung?“ Du schaust auf und glaubst nicht, was du siehst. Ich kenne ihn nicht, sagen meine Augen, mein Mund, meine Stirn. „Mein Gott, der ist ganz verstört.“ Ulla bückt sich neben meinem Geliebten nieder. Ich möchte schreien: „Karim ist tot.“ Mörder sind wir. Tomasz, du und ich. Es schreit und schreit. Doch ich bleibe stumm und kalt. Ich kenne dich nicht. „Annie...“ „Bitte.“ Die Rettungssanitäter tanzen um die Leiche mit ihrer Trage. Sein Helm wird abgenommen, Gehirnmasse fließt auf das Trottoir. Karim? Karim. Dein Kinn an meinem Knie. Ich lege eine Hand auf deine Schulter und beuge mich ein wenig vor. „Kommen Sie...“ „Annie...“ „Bitte.“ Eh der Hahn kräht, hab ich dich dreimal verraten. Als er aufsteht, endlich, ist es vorbei. Dass ich dich liebe, habe ich nie gesagt.

I try to tell you
I can only say when we´re apart
About this storm inside me
And how I miss your
Quiet, quiet heart

Das hier war Tabu. Neuglobsow am See. Meine Familie Jemand musste dafür büßen. Die Melusine in den Meeren. Aber warum Karim? Wenn es dich getroffen hätte, das wäre gerecht gewesen. Hast du nicht die Ordnung der Welt ins Wanken gebracht, als du dich in mich versenktest? Singend kam er mir näher als du je, wenn du in mich stießest. Wir waren einen Moment, was du von mir willst: vereint. Konntest du das nicht vergeben? Wer bist du, Tom Hell?„Be my nightmare.“ Jetzt werde ich dich nie mehr los. War das der Plan?

Der Rettungswagen fuhr davon. Das verwaiste Motorrad lehnte an der Platane. Am Boden trockneten Blut und Sekret. Ich ging nach Hause. Ganz langsam. 

Ich löse mich vom Türrahmen. Von oben ruft Daniel: „Was gibt´s heute zu essen, Mama?“ Das geht weiter. Gerettet?

It doesn´t matter
How far you´ve come
You´ve always to go further
To go

20110108

BLICKLOS (And I wish him well)

Berlin, 9. Oktober 2009, 18.05 Uhr (Central European Time CET)

I know the land
And the coloured sand
Everythings fresh at the source in that land

Das also war sie gewesen, seine letzte Begegnung mit Annie. Ein Augen-Blick, der nicht stattfand, denn sie war ihm ausgewichen. Hatte über seine Schulter, gegen seine Brust, auf ihre Schuhe gestarrt. All ihre Versuche, ihn zu sprechen, hatte er vorher abgewehrt. Sein Mobile ausgeschaltet, die Festnetzleitung aus der Wand gezogen. Mit Karims Eltern jedoch hatte er mehrmals von der Botschaft aus telefoniert. Es war viel zu regeln, um Karims Asche nach Hause zu bringen, an den Strand und ins Meer zuletzt, wie er es, behauptete die Mutter, gewünscht hätte. Tomasz konnte sich nicht vorstellen, dass Karim sich tatsächlich mit seinem Tod beschäftigt hatte. I´m the depressive drug abuser, for all I know, not you my friend. My fiend. Dennoch - so würde es sein: Die Freunde, Karims Familie, ein Lagerfeuer am Strand, Gitarrenmusik, in die Wellen laufen mit der Asche, sie auflösen im Ozean. Es fühlte sich richtig an, egal, ob Karim das selbst geplant hatte oder die Mutter in ihrer verzweifelten Sehnsucht, dem geliebten Sohn noch einmal etwas recht zu machen, es sich ausdachte. Die australische Botschaft hatte ihm geholfen, den Papierkram zu erledigen, mitfühlend und engagiert eine junge Frau, betroffen vom Tod dieses Musikers, der nur wenige Jahre älter als sie gewesen war und von der Traurigkeit des struppig-schönen dunklen Ritters Tom. 

In dem ganzen Annie-Jahr hatte es keine andere Frau gegeben, trotz der vielen Tage und Nächte, die er ohne sie gewesen war. Warum nur hatte er sich so fixiert, so verrannt? Er begriff es nicht mehr. Die alte Frau, dachte er, ich habe meinen Freund gegen einen Baum gehetzt wegen einer Frau, die beinahe, - hatte sie das nicht selbst immer wieder aufgebracht? -, meine Mutter sein könnte. Manche werden mit sechzehn schwanger. Als ich zum ersten Mal einen Jungen küsste, warst du noch nicht mal geboren. Fuck you, Annie.

Da war sie nun vor ihm und fuhr fahrig mit den Fingern durchs Haar. „Ich muss...“, fing sie an. Doch er unterbrach sie sofort: „I´m going home. Tomorrow.“ Sie schluckte, immerhin schluckte sie, aber dann drehte sie sich um zu einem jungen Mann, der hinter ihr stand, den er noch gar nicht wahrgenommen hatte. Sonderbar das, denn es war ein Riese, der seine Hand auf Annies Arm legte und sagte: „Mama...“ Damn. Der Sohn. Ein Jahr lang hatte er Annie geliebt und sie besessen, doch sie hatte einen Sohn und noch einen und einen Mann, ein komplettes anderes Leben, das er ignoriert hatte, das es nicht gegeben hatte, wenn es sie beide gegeben hatte und jetzt, hier, am Tag vor seiner Abreise wurde das leibhaftig, das andere Leben, stand gigantisch mit hängenden Armen gelassen dar und sagte: „Mama.“ Annie nickte hinauf zu dem: „Mein Sohn.“ und hinüber zu ihm „Das ist Tomasz Hosni. Einer meiner Studenten vom Goethe-Institut“. Sie gaben sich die Hand. „Woher kommen Sie?“, fragte der höflich, während Annie hastig noch mal rief: „Ich muss....“ und dem Sohn zu: „Wartest Du hier, ja?“. Weg war sie und da stand er vor den Hackeschen Höfen mit ihrem anderen Leben und wusste dem nichts zu sagen. Drei Mal, Annie, hast du mich verleugnet, wie Petrus den Herrn. You ´re not Jesus. Wann hatte sie das gesagt? Unter ihm, als er die Wahrheit gesprochen hatte: I am your lord.

I know the sound
As the sun goes down
Everythings fresh as the sun goes down

„Aus Australien. Ich habe ein Stipendium gehabt hier in Berlin für meine Musik. The Grant McLennan Fellowship. Well, you might not know...“ „Doch. Doch.“, lachte das große Kind „Die Go Betweens, meine Mutter hört sie rauf und runter. Da war sie sicher begeistert.“ Wenn du wüsstest, wovon deine Mutter begeistert war, wenn du das wüsstest, dann stündest du anders hier. „Meine Band heißt: Poor Heirs. Wir sind bei My Space.“ „Das hör ich mir mal an.“ „Ich gehe zurück nach Hause.“ „Nach Sydney?“ Tomasz nickte. „Würde ich auch gern mal hinfahren.“ Ich reise, dachte er, mit der Asche meines Freundes im Gepäck, den ich gegen einen Baum habe fahren lassen, auf dem Weg in euer verdammtes Neuglobsow am See, wo du daheim bist, Annies anderes Leben, in das ich eindringen wollte, mit ihm, der mich verraten hatte. Mit der Heiligen Annie hat er mich verraten. Aber, Annie hüte dich, denn jetzt habe ich dich erwischt. Das Kind wird dich hören auf MySpace, es wird hören, was du getan hast mit Karim, das kann keiner überhören: Comecomecomecomecomecome. Das kannst du nicht wegleugnen und lächeln. Das Kind wird begreifen. Wenn ich schon Down Under bin, wird dein Sohn dich fragen: Wer ist das, Mama, mit dem du gekommen bist? Und das wird Karim sein, der Tote.

And I wish him luck
I hope he get´s it right
As he lives my life.

Dann war sie wieder da, drückte dem Sohn eine Tüte in die Hand und ihm, Tomasz, legte sie flüchtig die Hand auf den Arm: „Ich wünsche dir einen guten Flug, Tomasz.“, beugte sich ein wenig vor, streifte mit ihrer Wange die seine und flüsterte an seinem Ohr: „I´ve got visa.“ Dann war sie weg, verschwunden in der Menge, die sich die Oranienburger hinaufdrängte. Fuck you, Annie. Dafür werde ich dich noch mehr hassen. Ich fliege zurück, weil ich dich los werden muss. Comecomecomecomecomecome. Aber es war Karim, mit dem sie das Duett gesungen hatte.

And if you see him
Tell him I´ll be him
As I live his life

20101126

GLUT (Unfinished business)

Indian Ocean, 11. Oktober 2009,  00.45 Uhr (Indian Standard Time IST)

When you miss your baby
You need some heaven
That's what I heard
Unfinished business

Wer will brennen?, wurde gefragt. Da hört man sie schreien: ICH. Das gelogene Wort. Hinausschreien, was nicht ist. Gib nicht vor zu sein. Du solltest dich hüten, Melusine. Das Feuer aber glimmt, gebe ich zu. Nicht in dir. Oder mir. Es IST. Lebendig. Heiß. Tödlich. Jede muss sterben. Du zuerst. Das hatte sie immer gesagt. Und ich war einverstanden. Sahest du je einen brennenden Ölteppich auf dem Meer, Armgard? Das bin ich. Da ist es wieder. Das verbotene Wort. Ich schwimme. Selbst im Wasser glüht das noch. Ich gleite. Auch das Wort gleite ich aus, so gehört es mir zu. Bis du es mir aushauchst. Immer wieder. Mein Vergehen gegen dein Leben. Was tatest du uns, als du den Lockgesang aufnahmst? Ihn mit deinem Trommeln antriebst? Comecomecomecomecomecome. Ich weiß, dass du ihn nie berührtest. Kein einziges Mal. Doch der dunkle Ritter sah euch. Und hörte. Geschnitten aber wurde dann ich. Be my nightmare. Armgard muss treu sein wie Gold. Aber mein Blut floss. Die Füße ausgeliefert den verheerenden Schnitten. Diese Messer waren scharf. Comecomecomecomecomecome. Ich schrie. Lauter war euer Gesang,  deine Trommelschläge, sein Riff. Der dunkle Ritter ließ die Arme sinken. Doch seine Augen schnitten mir ins Fleisch. Singapore. So weit bin ich - und verloren. Du zittertest vor Glück, als es vorüber war. Mich banden sie los und ich fiel vor ihre Füße. Meine Glieder zuckten. Die Jahrhunderte zogen vorüber. Es kann nie anders sein. Du verwahrst, ich verglühe. Du erhältst, ich erlöse. Du betrügst, ich büße. 

You're tired and bit frost
Tattoos and snapshots
Then lose your way
Unfinished business

Are you gonna make it?

20101112

Rettungsversuch (And sometimes we don´t come through, sometimes we just get by...)

18. Oktober 2009 Neuglobsow am Stechlinsee 5.05 (Central European Time CST)

I don´t wanna let you out of my sight
Don´t wanna let you onto your flight.
The fortune teller might have been right
The bad old world can turn your hair white.

Wie weich sein Gesicht im Schlaf ist, der schmale Mund ganz entspannt, und die langen Wimpern liegen wie Strahlenkränze auf seinen Wangen. Er ist bald eingeschlafen, nachdem wir noch eine Weile in einander verschlungen gelegen hatten. Wochenlang hatten wir keinen Sex. Bert fragte nicht. Das lässt sein Barnhelmscher Stolz nicht zu. Glaubte ich. Es war schön sich zu lieben in dieser Vertrautheit, seine Hände, die mich nicht ertasten müssen, sondern wiedererkennen; wie unsere Körper sich  ineinander verschränken, wie wir uns lenken können, wir reagieren auf jede kleine Bewegung des anderen und gelangen gemeinsam ans Ziel. Immer ist es mit Bert schön, ohne Rohheit, voller Aufmerksamkeit und Wissen, aufnehmend und spendend kommen wir einander nah und näher. Ich bestaune das vertraute Gesicht im Morgenlicht, das schon durch die Läden dringt. Seine Haut hat die Arbeit im Freien mit tiefen Falten gefurcht in den Jahren. Sie stehen ihm gut, verstärken das immer noch Abenteuerliche, geradeso wie der krause, schon leicht ergraute Seemannsbart, den er sich in Chicago wachsen ließ, vielleicht als Versuch, gegen die glattrasierte Einheitlichkeit der Vorstadtamerikaner ein Zeichen zu setzen. Bert Barnhelm, er war eine Legende, als er sich in mich verliebte und ich mich in ihn vor fast 25 Jahren. Und ist nun bloß noch: mein Mann. War ich das, seine „neue Melusine“, die ihn in den Kasten zwang, den Giganten in einen Zwerg verwandelte? Wer von uns hielt die Schlüssel in der Hand? Hätten wir nur ohne einander aus dem Kasten entkommen können?

Während er schläft und sich sicher fühlt in meiner Nähe, liege ich wach und denke an den, der mich niemals barg. Ich liege wach und befriedigt neben dem Mann, den ich liebe, und träume von dem, den ich begehre. Mit ihm, mit Tomasz, war es immer Kampf, wir hetzten uns gegenseitig durch die Wüste, Dürstende, bebend vor Verlangen, zerrissen wir uns und riss es uns auseinander. Wenn wir uns aneinander rieben und ineinander vergruben, brachte uns das nicht näher. Es riss uns entzwei und vom anderen los. Und konnten an kein Ende gelangen. Wenn wir uns trennten, waren wir nicht im Frieden, sondern schon wieder angefüllt mit der Not, die uns zueinander trieb.

Noch während ich mich aus dem Schlaf räkelte gestern früh, hatte Bert das Boot auf den Anhänger gepackt und Frühstück für Daniel gemacht. Ich blieb einen Augenblick im Türrahmen zur Küche stehen. Da saß mit gebeugtem Kopf mein jüngster Sohn, der Leistungssportler, dessen kräftige Schultermuskulatur sich selbst unter dem T-Shirt deutlich abzeichnete. Im Sitzen noch wirkt dieser Junge voll unterdrückter Energie, ein ruhendes Raubtier, so ganz anders als Bert, auch als sein Bruder Carl. Diese vorgetäuschte Gelassenheit, die aufgesetzt gleichgültige Miene, ist pure Fassade. Der ganze Kerl vibriert vor Ehrgeiz. Was immer er anfängt, er macht es besser. Seit er mit dem Rudersport begonnen hat, beknieen uns seine Trainer, sein Talent zu fördern. Sein Chemielehrer rief uns an, wir sollten ihn zu einer Beteiligung an „Jugend forscht“ überreden. Meine Schwiegermutter drängte: „Lasst ihn testen. Der Junge ist hochbegabt.“ Bert und ich, einig in solchen Fragen, ignorierten das. Wir erleben, wer unser Sohn ist. Er ist klug, er ist warmherzig, er ist scheu. Er hat viele Talente. Er nutzt sie gut. Warum sollten wir sie messen lassen?

Die Regatta in Potsdam, zu der wir mit Daniel fuhren, war die letzte in diesem Jahr, nicht mehr bedeutsam eigentlich, doch Daniels Trainer wollte ihn dem Direktor des Sportinternats vorstellen. Bert und ich stehen dem mit gemischten Gefühlen gegenüber. Wir wollen den Talenten des Kindes nicht im Wege stehen, doch fürchten wir, ein sportlicher Schwerpunkt schränke Daniel ein. Er kann so viel anderes auch gut. „Einmal“, sagt Bert, „wird er sich entscheiden müssen.“ Das Dumme ist: Er will sich nicht entscheiden und wir nicht für ihn. Daniel braucht Zeit. Das talentierte Kind ruht sich aus, nicht auf seinen Lorbeeren, sondern um sich zu sammeln. Er liebt das Rudern, die Bewegung, er liebt es zu siegen und er gewinnt oft. Aber er liebt es auch, verträumt am See zu sitzen und zu warten. Er ist verschwiegen. Ich weiß meistens, was in Carl vorgeht. Bei Daniel ahne ich es bloß. Wenn ich ihn frage: „Willst du ins Sportinternat?“, zuckt er die Achseln. Keine Antwort, denke ich, ist auch eine Antwort. Aber vielleicht bin nur ich es, die ihn nicht hergeben will. Daniel, das Kind, das an mir hing, wie Carl es niemals tat.  Carl ist stark und kann seine Schwächen eingestehen. Daniel ist so begabt und glaubt doch immer, sich verstecken zu müssen. Normalerweise fuhr nur eins von uns mit zu den Regatten, doch spürten wir, Bert und ich, dass Daniel uns in Potsdam beide dabei haben wollte. 

Er gewann, natürlich, mit einer Bootslänge. Bert schrie über den See: „Barnhelm. Barnhelm.“ und „Bravo.“ Daniel sagt manchmal hinterher: „Das ist mir peinlich, Alter.“ Er boxt Bert gegen die Schulter, aber dabei grinst er so schief über ihn hinweg, dass man merkt: Er freut sich doch. Nach der Siegerehrung stellte uns der Trainer den Schulleiter des Internats vor. Ein Angebot. Die Chance für Daniel ins Jugendnationalteam zu kommen. „Ein hervorragender Einer, aber ich könnte ihn mir auch im Vierer vorstellen.“ Daniels Traum, ich weiß es. Aber seine Augen leuchten nicht. Oder will ich das bloß nicht sehen? Schon bald wirst du aus unserem Alltag verschwinden, Sohn. Dein Bruder ging ein Jahr, das zerriss mich fast. Es wären doch nur 110 km. Nur? Ich will mich mit dir streiten morgens im Bad. Ich will deinen Geruch im Haus, die schmutzige Wäsche, die im Zimmer auf dem Boden liegt. Ich will mit dir leben noch ein paar Jahre, Daniel. Bert legte seinen Arm um meine Schultern, zog mich an sich heran. „Wir werden das heute nicht entscheiden, das verstehen Sie doch?“ Natürlich verstand er das. Aber das Gelände wolle er Daniel zeigen, die Internatszimmer, ein paar Lehrer vorstellen. Ich nickte Daniel zu: „Kannst es dir ja mal anschauen“, sagte ich. Bert und ich gingen zum See hinunter und setzten uns auf eine Bank. Berts Arm lag auf der Rückenlehne der Bank. „Schön hier.“ „Ja.“ „Er muss nicht. Aber er kann.“ „Ja.“ Ich legte meinen Kopf ab. „Wir bleiben zurück.“ Bert senkte seinen Mund in mein Haar. „Ich liebe dich.“ Ich küsste ihn auf die Wange. Er weiß es, dachte ich. Er weiß es und er will warten.

Auf der Rückfahrt schwiegen wir. Bert und ich fragten nicht: Wie war es? Hat es dir gefallen? Kannst du dir vorstellen, dorthin zu gehen? Daniel erzählte nicht: Sie haben großartige Krafträume. Ich kann mir nicht vorstellen, das Zimmer mit jemand zu teilen. Die Lehrer sind ok. Ich möchte nicht von zu Hause weg. Er schwieg. Wir schwiegen. Es war ein gutes Schweigen. Wir brauchen Zeit, sagte es. Wir lassen uns Zeit. Wir lassen einander. Bert legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. Ich strich ihm über den Handrücken.

I don´t wanna have to say goodbye
Don´t wanna wipe the tear from your eye
I took this chance to write a message
It´s just to say that I´ll miss you.

„Guck mal“, sagte Daniel, als wir nur noch wenige Kilometer vor Neuglobsow waren. „Ist das nicht die Stelle, wo zwei mit dem Motorrad gegen den Baum gerast sind?“ Tatsächlich hing noch ein loses Ende vom Absperrband an der Platane. Sonst nichts. Keine Verwandten werden in der Mark Kerzen für Karim aufstellen. Keiner wird am Straßenrand halten, aussteigen und Karims Foto in einer Plastikfolie an den Baum pinnen. Seine Asche flog über die Ozeane, zurück nach Down Under und mit ihr Tomasz, der an jenem Nachmittag auf dem Rücksitz der Maschine saß, auf dem Weg nach Neuglobsow am Stechlinsee. Searching for Annie. Meine Schuld war es, wolltest du das sagen, Tomasz? Alles deine Schuld, Annie, nur deinetwegen fuhr ich mit Karim an den Stechlinsee, nur deinetwegen, weil du mich dort nicht haben wolltest, weil du es warst, die sagte, dort, Tomasz, dort hast du nichts zu suchen, dort lebe ich mit meiner Familie, meine Söhne, Tomasz, meine Söhne. I don´t like to talk about your sons.

Ich drückte Berts Hand fester, strich mit dem Finger seinen Arm hinauf und wieder hinunter und schob seine Hand tiefer in meinen Schoß. Er fuhr mit dem Daumen über die Innenseite meines Schenkels. Rette mich. Als wir in Neuglobsow ankamen, war es schon dunkel. Carl hatte eine Suppe für uns warm gemacht, deren derber Geruch uns im Treppenhaus empfing. Im Halbdunkel drückte ich mich an Bert und rieb meinen Kopf an seiner Brust. Nach dem Essen zogen sich die Jungs in ihre Zimmer zurück. Bert ließ sich in seinen Sessel fallen. Seine linke Hand griff schon nach dem Buch, doch zögerlich. Er sah mich an. Und ich kletterte auf ihn, suchte seine Lippen. Mann. Mein Mann. Ein König ohne Thron. Das war nicht wie Ertrinken. Das war Rettung. Du bist so warm und gut und klug. Halt mich fest.

And sometimes we don´t come through
Sometimes we just get by
But I know with you
I´ve never seen the devils´s eye.

Später, nach dem ersten Mal, trug Bert mich die Treppe hoch. Noch einmal liebten wir uns, heftiger und bewusster. Du. Immer du. Durch die Läden dringt das Morgenlicht. Bert wird früh aufstehen wie jeden Morgen. Seine Nasenflügel zittern schon. Dann werde ich mich umdrehen und noch einmal schlafen.

20100805

BRENNEN (I want you so much I could burst)

21. Oktober 2009, Indian Ocean, 23.45 Uhr (Indian Standard Time IST)

Deine Hände unter der Decke, wie die krampfen. Es bricht unter deinem Druck fast mein Herz, doch schwimm ich mich frei. Das brennt, als seien wir zwischen Brennnesseln gefallen. Das kleine Mädchen geschubst von dem schwarzen Ritter, hörst du ihn lachen hinter dem Baum? Mit strenger Miene tauchst du auf über den Wolken, Armgard: So war es doch nicht. Ich fiel doch hin, da war doch keiner. Dann wälzte ich mich zwischen den haarigen Pflanzen, den brennenden Schmerz auf der Haut auszukosten. So ist´s gewesen. Doch das warst nicht du. Du gingst zum Bach hinunter und kühltest den nackten Arm im fließenden Wasser. Ich konnt´s nicht lassen, den Rock hochzuziehen, die Strümpfe wegzustrampeln und mich noch einmal zu drehen. Ich war das, Melusine, und du warst das, die stand unter der Brücke bis zu den Hüften im Wasser und ließest es rauschen um die glühende Haut. Ach, alles Lüge. Wir waren es und ich. Sie sah mich vom Fenster aus. Die mit den lockenden Haaren, goldener Schimmer hinter dem Glas. Sie hat nie gefragt. Ihr brauchten wir nichts zu verbergen. Nicht ihr.

Sein Wort ist´s, das dich brennen macht, dir den Körper versteift unter der Decke, die Hände auf die Brust gepresst. Gib nach, Schwester. Nur Worte, nur Worte. comecomecomecomecomecome. Der sanfte Narr wird nie mehr mit dir singen.


Oceans apart. I want you. 
I want you so much I could burst.

Ich muss dich warnen. Er ist ein Kind. Bricht die Versprechen. Ein Grinsen hat er mit Lippenstift aufgemalt, dich zu schrecken. I want you. Dann zittern wir ihm entgegen. Du auch. Wir vergessen die kahle Brust und schaudernd presst du die Lippen gegen den Schirm. Warum den? Weil  er es kann. Wie keiner zuvor. Und Worte sind keine Messer. Und Füße narben so nicht.  Ich ließ es geschehen. Nach Singapore und weiter. Darum zog es mich an deiner Stelle zu ihm, war ich vor dir. Die vor dir war, dich zu schützen. Be my nightmare, flüsterte der und schuf so das Meer, wogend.  Kein Entrinnen gibt es von dort unten zwischen dem algigen Grün. Dumpf dröhnt das Wasser in deinen Ohren. Hörst immerzu den Gesang: come.come.come.come.come.come. Be my nightmare. comecomecomecomecome. So schwamm ich dir voraus. Immer zog´s uns ins düstere Grün.

Wish you well, schriebst du zum Abschied einmal. Tatest du so. Ach, arme Armgard. Well, there´ll always be another wave, sagt der und küsst ein Mädchen. I´m only twenty- eight. Du lässt ihn gehen. Denkst du. Sende ich ihm den Schmerz, soll der spüren wie du. Spürt der dich. Kann der nicht. Keine andere nur dich, dich, dich. Seinen Lenden, glaubt er, ist es Natur und gleich. Doch da bist du. Bin ich. Nur wir. Wird er sich verzehren. Wie wir. Bis du. Dich entscheidest. Das wird ein Fehler. JOKER. Er ist der dunkle Ritter. Nimm die Maske ab. Verlangst du. Tomasz. Dich. Verlangt sie.  Alles vergebens.


I want you so much I could burst.

20100605

Auf der Suche nach der Normaltemperatur...


Am Stechlinsee, Oktober 2009



Kernkraftwerk Rheinsberg am Stechlinsee, stillgelegt 1990, im Rückbau seit 1995

20100531

KOPFLOS (Love is a sign)

30. Oktober 2009, Sydney, 00.34 Uhr (Australian Central Standard Time ACST)

Standing on a sunken canoe
Looking up at the waterlilies
They´re green and violet blue
Still the sun finds a place to light me
Still the sun finds that it´s warm beside me


Er hatte sie im SpeakEasy aufgegabelt, wo sie an der Bar einen grünen Cocktail getrunken hatte. Das passte ihm gut: eine Gegen-Annie, die klebrige Cocktails schlürfte, Netzstrümpfe trug zu einem violetten Minirock und ein knappestmögliches Top. Die großen Brüste wurden vom sonnengelben T-Shirt-Stoff kaum bedeckt. Wenn sie sich vorbeugte, eröffnete sich ein Blick links oder rechts auf einen dunkelbraunen, großflächigen Brusthof. Sie wollte heute noch einen Mann, das zeigte jede ihrer Bewegungen, die Art, wie sie die  Beine übereinander schlug, um sie dann wieder auseinander zu flechten, ihr Zeigefinger, der mit sanften Druck über den Glasrand strich.  Die war genau, was er brauchte, nichts zierlich Verklemmtes an ihr: Das hier war eine Frau, die wusste, was sie wollte und die  wollte, was sie kriegen konnte. Gegen-Annie saß an der Bar, als hätte er sie sich für diese Nacht dort hin phantasiert.

An Karim allerdings, hatte er sich vorgenommen, an Karim würde er nicht denken, nicht an Karims Blut an der Landstraße in Brandenburg. MINDLESS. Dieses Blut hatte er sich tagsüber im Studio ergießen lassen zwischen die Bankentürme der City; in den Häuserschluchten hatte er die verdrehten Körper der Krawattenträger getürmt und deren Gehirne statt Karims auf die Pflaster gespritzt, indem er den Regler aufundab drehte und ein nervenzerrendes Kreischen erzeugte. Gut war es schließlich, wenn der porzellane Atem der weißen Elfe aus dem Wald der Wälder über die Leichenberge hauchte (volume down) und der dunkle König zurückkehrte auf seinen Thron, geschnitzt aus den Knochen der Geldjäger (volume up). Die rosabackenen Nymphen tanzten und gaben sich freudig den Waldmännern hin. Gedankenlos vollzog sich, was geschehen musste. Er saß auf dem namenlosen Hügel und sah die Welt brennen. (explosion) Gut. Er hatte den ersten Song aufgenommen seit... Nicht daran denken. Musik machen. Ficken. Annie. NICHT Annie. Fuck you, Annie.


The world is too big or too small
I won´t be the madman then
It will be me that´s come to call
Me in freezing weather
Snow cuffs on my wrist
You down the river
And London no longer exists

Sie war keine Goldgräberin. Sie wollte keinen Mann aufreißen, um sich über ihn, sein Geld oder seinen Status Glanz zu verleihen. Rosie schimmerte, weil sie glühend heiß lief und Hitze abstrahlte: purer Sex. Solche Frauen gab es auch. Er hatte sich neben sie an die Bar gelehnt, den Körper zunächst noch von ihr weg gedreht. Sie hatte ihn taxiert und Tomasz wusste genau, was er zu bieten hatte.

"Mein zerzauster David", hatte Annie gesagt. Zerzaust. Unaussprechliches Wort. "What does it mean?" "Tousled hair." Tomasz fuhr sich mit der rechten Hand durch das dunkelbraune, fast schwarze Haar. Er liebte es, seine dichten Haare zu zerwühlen oder sie zer - z a u s en zu lassen von willigen Frauenfingern. Ab und an schnitt er ein paar Strähnen, die ihm zu dicht an die Augen hingen mit der Nagelschere, kreuz und quer. Zauselkopf. Er wusste, dass dies Struppige ihm stand, darunter die markante Nase, die steile Falte über der Nasenwurzel, der schmale Mund, das eckige Kinn. Seine wuseligen Haare gaben dem betont Männlichen etwas Jungenhaftes, schufen Nahbarkeit und Vertrauen. Wo es unangebracht war. Das werdet ihr noch merken, Ladies. Das hast du gemerkt, Annie. Und genossen. Er hatte nur drei Knöpfe des zerknitterten Hemdes geschlossen, gab die Blicke frei auf seinen glatten Oberkörper, der selbstverständlich enthaart war. Das hatte Annie erstaunt. Ihn hatte ihr Staunen überrascht. Alle seine Freunde enthaarten sich. Aber für Annie war es wieder ein Grund mehr gewesen, auf den Altersunterschied hinzuweisen."Michelangelo´s David hasn´t got any hairs, too." "Ja. Er ist zu perfekt. Wie du." Er hatte gelacht. "Hell. Certain parts of him are a bit... small, what do you think, babe?" Und er hatte ihre Hand an seinen Schwanz geführt. 

Die Erinnerung erregte ihn. Aber er wollte sich auf die Gegen-Annie konzentrieren. Er hatte nicht genügend Geld dabei, um ihre Drinks zu bezahlen. Sie musste ihn so sehr wollen, dass es nicht darauf ankam. Er drehte sich zu ihr herum und öffnete dabei leicht die Beine. Wenn sie hinunter schaute (was sie aber sicher nicht sofort täte, etwas Lenkung brauchte sie schon), sähe sie sein Begehren. Schätzte er sie richtig ein, so würde sie nicht schamhaft erschrecken und es überspielen, sondern darauf eingehen, zunächst mit Worten und Blicken. Er betrachtete sie ohne Scheu von unten nach oben: gute Beine, vielleicht ein wenig zu stark um die Fesseln, viel Hintern, dafür eine recht schmale Taille, üppige Oberweite, alles Bondi-Beach-sonnengebräunt. Die hellbraunen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, Strähnen fielen ihr als Pony in die hohe Stirn, darunter eine aufgeschwungene Kindernase, ein breiter, rot geschminkter Mund; die grauen Augen standen weit auseinander, sie hatte nur die Wimpern getuscht, weiter kein Makeup aufgelegt. Das hatte sie auch nicht nötig. Tomasz suchte ihren Blick und glitt mit seinem dann ostentativ wieder hinunter auf ihre Büste. Da erst nahm er das Muttermal wahr, das wie eine kleine, dunkle Holzperle direkt zwischen den Brüsten lag. Augenblicklich spürte er, dass sein Glied noch härter wurde. Love is a sign: ein Mal, wie es auch Annie zeichnete. Nur dass es bei Annie kleiner war und sich nicht flächig abhob, sondern hingetupft dalag, unerspürbar von seinem Zeigefinger, der es umrundet hatte. A thousand times.

Sie hatte seinen Blick inzwischen aufgenommen, war ihm gefolgt hinunter zu ihren Brüsten und geschweift in seinen Schoß. Sie hatte es gesehen, dessen war er sich sicher. Er griff nach ihrem rechten Handgelenk. Ihre Finger berührten den Stiel des Cocktailglases. Aber er ließ es sie nicht anheben, nicht jetzt. "You´re driving me crazy." Kein origineller Spruch war das, aber darauf kam es, davon war er überzeugt, bei ihr nicht an. Das drückte exakt aus, wie sie sich sah, wie sie auch tatsächlich wirkte: Eine Frau, die Männer verrückt machen wollte und es tat, weil sie zeigte: Ich will es, wie du es willst. Weil sie die demütigenden Spielchen überflüssig machte, zu denen Männer gewöhnlich gezwungen waren, um an eine Frau heranzukommen. Weil sie sich nicht schämte zu sein, was sie war: eine Frau mit Verlangen nach einem Mann. Das gab es nicht oft. Zu vielen Frau war anerzogen worden, den Jagdinstinkt des Mannes zu wecken durch Scheu, Verweigerung, Zurückweisung. Und zu viele Männer, auch das hätte Tomasz jederzeit zugegeben, mochten zwar bei Gelegenheit eine Frau wie sie benutzen, brachten ihr jedoch keine Achtung entgegen. "She´s a slut." Er dagegen würde sie dafür respektieren, dass sie es sein wollte und sich nichts vormachte und ihm nicht. 


I´m not a playboy or a poet
There´s no cool water from the well
I wish you had a big house
And that your work would start to sell
Wave after wave
Our tension and our tenderness

Sie legte ihre linke Hand auf seine, als wolle sie ihn abwehren. Aber zugleich lächelte sie ihn an und senkte erneut für Sekunden den Blick. Er hielt ihr  stand: "I want you." "You´re very self-confident, darling.", antwortete sie. "Yeah, luv. What´s your name?" Noch immer lag ihre linke Hand auf seiner rechten. Aber beide hatten sie den Griff gelockert. "Rosemary." "Rosie, baby. That´s beautiful. I´m Tomasz." "Thomas?" "No, I´ve got hungarian ancestors. Tomasz. But you can call me Tom." "Tom." "You´re hot, baby." "Uu.." Er fuhr mit dem rechten Zeigefinger ihren Arm hinauf. Sie hatte ihre Hand weggenommen. Sein Finger glitt unter den Spaghettiträger ihres Tops. Wie einfach das bei ihr war; er fühlte unter seinem Finger die wohlige Gänsehaut, die sich auf ihrem Arm ausbreitete. Sie konnte das zulassen. Was für eine Frau. Eine Frau. Er brauchte eine Frau so dringend, ein Gegenmittel gegen das Annie-Fieber, den Karim-Brand.

Wenig später zahlte Rosemary ihrer beider Drinks. Sie hatte ihm keine Kurzfassung ihres Lebens erzählt, auch keine lange. Wahrscheinlich gab es noch nicht allzu viel zu erzählen, denn sie war erst, immerhin das hatte er erfahren, zweiundzwanzig Jahre alt. Es war in der Tat, als habe er sie bestellt: die ideale Besetzung als Gegengift. Sie ließ sich ein auf den von ihm begonnen eindeutigen Flirt, der nur ein Ziel haben konnte, das beide nicht verbargen: den Fick. Und nun standen sie auf der Straße und es gab bloß noch die Frage: Zu mir oder zu dir? Tomasz hatte auch diese Frage längst entschieden. Er wollte mit Rosie in sein Appartment, so sicher fühlte er sich, sie durchschaut zu haben. Rosie suchte keine Beziehung, sie würde keinen Kaffee kochen und kein Frühstück erwarten am Morgen und nicht zwingend einen Anruf am nächsten Tag. Sie würde sich ein Taxi rufen und verschwinden, wenn ihre Lust gestillt war. Vielleicht würde es ein nächstes Mal geben, vielleicht nicht. Sein Zimmer mit Kochnische lag nur wenige Straßenzüge vom SpeakEasy entfernt. Sie konnten mühelos durch die leicht abgekühlte Sommernacht hinlaufen und er ersparte ihnen beiden die Bezahlung des Taxifahrers, die wiederum Rosie hätte übernehmen müssen, was vielleicht sogar ihr dem Sex mit ihm zu sehr den Beigeschmack eines Callboy-Abenteuers gegeben hätte. Ihr war sein Vorschlag offenbar recht. Auch hierin hatte er sich nicht in ihr getäuscht. Es war ihr angenehm zu wissen, dass sie verschwinden konnte, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Auf dem Weg ging er zunächst neben ihr, ohne sie anzufassen. Sie versuchte auch gar nicht seine Hand zu ergreifen oder sich in seinen Arm zu schmiegen, sondern stakste auf ihren Highheels mit durchgedrücktem Rücken und schwingenden Hüften neben ihm her. Sie war mit diesem Schuhwerk fast so groß wie Tomasz. Dann - ganz plötzlich - drehte er sich zu ihr hin, presste sie gegen die Hauswand und stemmte sein Knie zwischen ihre Beine. Sein Mund suchte ihren Mund und glitt mit seiner Zunge hinein, die ihre kam ihm entgegen, umspielte sie. Sie bog ihren Unterleib nach vorne und ließ den Kopf zurück sinken, um seine Zunge in sich einzusaugen. Ihre Hände waren längst unter seinem Hemd. Die seinen suchten unter dem Top ihre vollen, doch festen Brüsten zu umfassen. Sie waren so groß, dass er sie gerade bedeckten konnten. Er drückte beide gleichzeitig fest und sie stöhnte, wie erwartet. Sie küsste ihn erneut gierig, dann glitt sie hinunter zu seiner Brust und tiefer. Sie war offenbar bereit, ihn auf offener Straße zu befriedigen. Schon war sie auf den Knien und fingerte an seinem Reißverschluss. Er schaute hinunter auf ihren Pferdeschwanz, der von einem Gummiband mit Plastiksonnenblume gehalten wurde.  "I gonna make you happy.", hörte er sie murmeln. In ihrem Nacken war einige Haare aus dem Band gerutscht und kräuselten sich, bildeten einen zarten Flaum auf der samtig braunen Haut. Sie wirkte so eifrig und beflissen, wie sie sich an seinem Hosenlatz abmühte und er wusste, er müsste ihr ihrem Eifer längst seine Gier entgegensetzen. Doch er fühlte mit einem Mal nur noch eine sanfte Zärtlichkeit für dies getriebene Wesen unter ihm. Seine Erektion schrumpfte zusammen, nicht ruckartig, sondern klang wie eine Welle aus und er fühlte nicht mal  Bedauern. Love is a sign. Er strich dem Mädchen übers Haar.  "Rosie, dear."

Sie schaute verwirrt nach oben. "Darling, you´re so sweet. But..." Sie richtete sich auf, krabbelte an seinem Körper nach oben. Man merkte jetzt, dass sie ein wenig zuviel getrunken hatte. Er hielt sie fest, nahm sie in den Arm, küsste sie sanft, glitt mit dem Mund besänftigend über ihr ganzes Gesicht. "Sweetie. Sweetie." Sie bot ihm an, mit zu ihm zu gehen, einen weiteren Versuch zu unternehmen. Er lehnte ab. Er versuchte es sehr freundlich und liebenswürdig klingen zu lassen. Das kostete ihn keine Mühe, denn er fühlte tatsächlich ungeheuer viel Wärme und geschwisterliche Liebe für sie. Er wollte ihr das zeigen, wie herzlich gern er sie hatte, doch begriff sie es nur als weitere Kränkung. Dass er sie nicht mehr mitnehmen wollte hinauf in sein Zimmer, wie hätte sie das auch anders verstehen können? Mit dem Mobile rief er ihr ein Taxi und blieb fürsorglich neben ihr stehen, bis es eintraf. Sie hatte sich von ihm weg gedreht, stand hoch aufgerichtet und einsam am Straßenrand, sich mühsam eine stolze Haltung verleihend, aber im Grunde vollkommen aufgelöst. Er wünschte fast, sie hätte geweint, dann vielleicht hätte er sie trösten und doch noch ihre Verzeihung erlangen können. So aber blieben sie stumm, bis das Taxi kam. Er öffnete ihr die Tür und sagte: "You´re the sexiest woman I´ve met for years, Rosie." Sie schwieg. Aber als ihr Taxi losfuhr, ließ sie die Scheibe hinunter und brüllte hinaus: "Fuck you, Tom." Sie war nicht klug, nein, und auch nicht originell. Aber wie hätte ausgerechnet er ihr das vorwerfen sollen?

Oben in seinem Appartement blieb Tomasz, nachdem er aufgeschlossen hatte, in der Dunkelheit neben der Tür stehen. Er hatte das Oberlicht über der Kochzeile offen gelassen. Durch das Hupen und bienenartige Summen vereinzelter Autos, die in der Nacht kreuzten, meinte er das Rauschen des Meeres zu hören. Er ging hinüber und stellte sich auf die Zehenspitzen, um durch das schräge Fenster  einen flüchtigen Blick auf den Ozean zu werfen. Dunkel wogte er in der Nacht, schimmernd das schlammige Düstergrün, die rauchblauen Wellen, die silbrigen Kämme, darüber grauschattiert der wattige Himmel. "I live on the beach now, Karim. As in your dreams. Miss you, my friend." Karim, der den Ozean geliebt hatte, war fern vom Meer gestorben. Darüber würde er nie singen können. Stattdessen hatte er den Hass vertont, mit dem er den Schmerz zudeckte,  um den blutenden Schädel des Freundes auf dem Waldboden zu vergessen. "MINDLESS. We were totally mindless. Searching for Annie. Lake Stechlin. Fuck you. Karim. Fuck me, Karim."


The letters that we´re writing
Baby, they just break our hearts
And when we get back together again
There´s just no time to start
No time to restore
It´s all on the ground
What you´ve been doing
Against what I´ve found
And this is what I find
No matter what you say
No matter what you do
I want to be the one
And
Love is a Sign